Der Kauf einer Skitourenausrüstung kann einem ganz schön Kopfzerbrechen bereiten – Tourenski in den unterschiedlichsten Breiten und Längen, zwei Bindungstypen, Skischuhe mit Umschalthebel und dazu Dutzende Marken. Die gute Nachricht: Die ganze Auswahl lässt sich gut bewältigen, wenn du eines verstehst – Skitourenausrüstung wählt man nicht Stück für Stück aus, sondern als aufeinander abgestimmtes Ganzes, je nachdem, wofür sie dir dienen soll. In diesem Artikel erklären wir dir, wie du Tourenski, Bindung und Skischuhe so auswählst, dass sie dir im Aufstieg wie in der Abfahrt passen. Wenn du noch überlegst, ob du Skitouren überhaupt ausprobieren willst, fang lieber mit unserer Einführung ins Skitourengehen an – hier gehen wir davon aus, dass du dich schon entschieden hast und deine Ausrüstung auswählst.
Bevor du loslegst: Wofür soll deine Skitourenausrüstung da sein?
Die erste und wichtigste Frage lautet nicht „Welcher Ski ist der beste?“, sondern „Wofür werde ich ihn verwenden?“. Es gibt nämlich keinen Universalski für alles, und genau der Einsatzzweck entscheidet über alle anderen Parameter.
Stell dir deshalb eine einfache Frage: Wie wird das Verhältnis von Aufstieg und Abfahrt aussehen? Reizen dich vor allem die Bewegung, lange Touren und Fitness-Aufstiege, brauchst du ein leichtes und eher schmales Setup. Geht es dir vor allem um Abfahrten im Pulverschnee und steiles Gelände (Freeride), nimmst du mehr Gewicht in Kauf und bekommst dafür bessere Fahreigenschaften. Die meisten Einsteiger liegen irgendwo dazwischen und sind mit einem vielseitigen, eher leichteren Setup am besten bedient.
Warum ist das Gewicht so wichtig? Bei Skitouren macht der Aufstieg rund 80 % der gesamten Tour aus. Jedes zusätzliche Gramm am Fuß spürst du beim Aufsteigen um ein Vielfaches, daher ist ein geringes Ausrüstungsgewicht eines der Hauptkriterien – aber immer abgewogen dagegen, wie gut dich das Setup wieder nach unten bringt. Dieser Kompromiss zwischen Gewicht und Fahreigenschaften zieht sich durch die gesamte Auswahl.
So wählst du die richtigen Tourenski aus
Die Ski sind das Herzstück des Setups und bestimmen, wie du dich im Aufstieg und in der Abfahrt fühlst. Bei der Auswahl interessieren dich drei Dinge: Länge, Breite und Gewicht.

Länge der Tourenski
Über die Länge der Tourenski zerbrechen sich wohl die meisten Leute den Kopf. Es gilt eine einfache Regel: Tourenski sollten höchstens so lang sein, wie du groß bist, ideal sind etwa 10 cm unter deiner Körpergröße. Im Vergleich zu klassischen Alpinski sind sie also eher kürzer.
Warum ist das so? Ein kürzerer Ski ist leichter, lässt sich besser kontrollieren und erleichtert die Spitzkehren im Aufstieg – das schätzen Einsteiger ebenso wie Vielgeher. Ein längerer Ski hat eine größere Fläche und damit mehr Auftrieb, sodass er im Tiefschnee besser „schwimmt“ und bei schnellen Abfahrten stabiler ist – er eignet sich für Pulverschnee und Freeride. Wenn du also vor allem für die Kondition und auf festerem Schnee unterwegs bist, greif zum kürzeren Ende der Spanne; wenn es dich in den Tiefschnee zieht, wähle länger. Berücksichtige auch dein Gewicht (schwerere Skifahrer wählen eher länger) und dein Können.
Einsteiger: Wir empfehlen Tourenski, die sogar 10 bis 15 cm kürzer sind als deine Körpergröße. Kürzere Ski lassen sich in Kurven leichter steuern und belasten deine Beine beim Aufsteigen weniger.
Erfahrene Skifahrer im freien Gelände: Hier empfiehlt sich eine Länge bis zur Körpergröße oder sogar 5 bis 10 cm mehr, wenn du Geschwindigkeit und Tiefschnee bevorzugst.
Zur schnellen Orientierung hilft dir diese Tabelle (es handelt sich um Richtwerte – passe sie an dein Gewicht und deinen Einsatzzweck an):
| Körpergröße des Skifahrers (cm) | Ungefähre Länge der Tourenski (cm) |
|---|---|
| bis 160 | 150 – 160 |
| 165 | 155 – 165 |
| 170 | 160 – 170 |
| 175 | 165 – 175 |
| 180 | 170 – 180 |
| 185 und mehr | 175 – 185 |
Breite des Tourenskis (unter dem Schuh)
Die Breite des Skis in der Mitte, unter der Bindung, entscheidet darüber, wie sich der Ski in unterschiedlichem Schnee verhält:
- Schmale Ski (ca. 75 – 85 mm) sind leicht und schnell im Aufstieg und halten hervorragend auf hartem Schnee und Firn. Sie sind die Wahl für lange Touren und Fitness-Aufstiege.
- Mittelbreite Ski (ca. 85 – 95 mm) sind Allrounder – ein vernünftiger Kompromiss zwischen Gewicht und Auftrieb. Für die meisten Skitourengeher, auch für Einsteiger, sind sie die beste Wahl.
- Breite Ski (95 mm und mehr) haben den meisten Auftrieb und „schwimmen“ im Pulverschnee am besten, sind aber schwerer und übertragen auf hartem Schnee größere Kräfte auf die Beine. Sie sind die Domäne des Freeride.
Gewicht und Konstruktion von Tourenski
Wie bereits erwähnt, ist das Gewicht bei Tourenski entscheidend – je leichter, desto weniger Anstrengung im Aufstieg. Die Hersteller reduzieren es mit leichten Kernen (zum Beispiel aus Paulownia-Holz) oder Carbonverstärkungen. Achte aber darauf, für das geringe Gewicht nicht komplett die Fahreigenschaften zu opfern; ein sehr leichter „Aufstiegs-Ski“ verhält sich bergab anders als ein vollwertiger Tourenski. Die meisten modernen Tourenski haben außerdem einen Rocker (eine aufgebogene Schaufel, eventuell auch ein aufgebogenes Skiende), der im Pulverschnee und beim Drehen hilft.
So wählst du die richtige Tourenbindung aus
Die Bindung verbindet den Ski mit dem Schuh und muss bei Skitouren zwei Modi beherrschen – eine freie Ferse für den Aufstieg und eine feste Fixierung für die Abfahrt. Grundsätzlich hast du die Wahl zwischen zwei Typen.
Pin-Bindungen (sogenannte Tech-Bindungen) sind heute Standard. Sie sind leicht und halten den Schuh mithilfe von Pins, die in spezielle Inserts greifen, deshalb brauchst du dafür Skitourenschuhe mit diesen Inserts. Rahmenbindungen sind schwerer und heute auf dem Rückzug; ihr Vorteil ist, dass du auch mit einem normalen Alpinskischuh einsteigen kannst, und sie eignen sich eher für Freeride und anspruchsvolle, steile Abfahrten. Für normale Touren sind leichte Pin-Bindungen die klare Wahl.
Auch hier gilt: Wähle nach Einsatzzweck. Für lange Touren und Durchquerungen willst du eine leichte und einfache Bindung, für Freeride eher eine robustere. Wichtig ist, das Gewicht der Bindung auf den Ski abzustimmen – einen sehr leichten Ski mit einer schweren Bindung zu kombinieren, ergibt keinen Sinn. Achte auch auf den Auslösewert (Sicherheitswert), der dafür sorgt, dass die Bindung bei einem Sturz auslöst, auf Steighilfen in mehreren Höhen und darauf, ob die Bindung Skistopper hat.

So wählst du die richtigen Skitourenschuhe aus
Die Skischuhe sind der Teil der Ausrüstung, den du bei Skitouren am stärksten spürst – sie entscheiden über den Komfort im Aufstieg und über die Sicherheit in der Abfahrt. Auch ihre Wahl ist ein Kompromiss zwischen Gehen und Fahren.
Im Aufstieg schätzt du einen großen Bewegungsumfang im Knöchel (sogenannter Walk-Modus) – je stärker sich der Knöchel im Gehmodus beugen lässt, desto bequemer steigst du auf. In der Abfahrt dagegen willst du ausreichend Steifigkeit und Halt, die ein härterer Flex und mehr Schnallen bieten. Ein leichter „Geh-Schuh“ mit zwei Schnallen trägt dich hervorragend bergauf, bietet bergab aber weniger Halt; ein steiferer Schuh mit mehr Schnallen ist das Gegenteil. Entscheide danach, ob du mehr gehst oder mehr abfährst.
Achte auch auf das Gewicht und das Material der Schale (leichtere Modelle sind oft aus Grilamid oder Carbon) und vor allem darauf, ob sie Tech-Inserts für die Kompatibilität mit Pin-Bindungen haben. Und genau wie bei Alpinskischuhen gilt: Am wichtigsten ist die exakte Passform – die Größe wird im Mondopoint-System angegeben. Wie du es verstehst und deinen Fuß richtig misst, haben wir im Artikel über Mondopoint und flex index beschrieben.
Felle, Harscheisen und der Rest des Sets
Zu einem kompletten Setup gehören noch einige Dinge, die du nicht vergessen solltest.
Steigfelle (Skins) müssen in Breite und Länge zu deinen Ski passen. Sie werden aus Mohair (bessere Gleiteigenschaften, ideal für lange Durchquerungen), aus Nylon (besserer Grip und höhere Haltbarkeit) oder aus einer Mischung hergestellt, die die Vorteile beider vereint. Für vereistes und hartes Gelände eignen sich Harscheisen (quasi „Steigeisen für Ski“), die an der Bindung montiert werden und für mehr Trittsicherheit sorgen – lass sie nicht zu Hause.
Und schließlich das Wichtigste: die Lawinenausrüstung. LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und Rucksack (idealerweise mit Airbag) sind im freien Gelände Pflicht und kein Zubehör. Ausführlicher widmen wir uns ihnen und dem Thema Sicherheit insgesamt in unserem Einführungsartikel zum Skitourengehen.
Ein abgestimmtes Ganzes: So kombinierst du alles richtig
Wenn dir die einzelnen Teile klar sind, bleibt nur noch, sie zusammenzustellen – und genau hier lohnt es sich, an das Ganze zu denken. Ski, Bindung, Skischuhe und Felle sollten in Gewicht und Einsatzzweck zusammenpassen: Zu einem leichten Tourenski gehören eine leichte Bindung und ein aufs Gehen ausgelegter Schuh, zu einem breiten Freeride-Ski eine robustere Bindung und ein steiferer Schuh. Ein Setup, dessen Teile nicht zueinander passen, verdirbt dir das Erlebnis bergauf wie bergab.
Wenn du Einsteiger bist und noch nicht weißt, in welche Richtung es dich zieht, setze auf ein vielseitiges, eher leichteres Setup mittlerer Breite. Es meistert alles von Fitness-Aufstiegen bis zu moderatem Pulverschnee und gibt dir Zeit herauszufinden, was dir Spaß macht. Und vor allem – kauf nicht blind.
Erst leihen und ausprobieren
Ein Skitouren-Setup ist eine beträchtliche Investition, und solange du nicht weißt, welcher Stil zu dir passt, ist es unnötig, Tausende Euro auszugeben. Viel vernünftiger ist es, die Ausrüstung zuerst zu leihen und live auszuprobieren. Im Skiverleih der Snowflake Academy leihst du dir ein komplettes Skitouren-Set – Ski, Bindung, Schuhe und Felle – frisch gewartet und individuell eingestellt, sodass du am eigenen Leib testen kannst, welche Länge, Breite und Steifigkeit dir zusagen.
Und wenn du Fehler nicht nur bei der Auswahl, sondern auch im Gelände vermeiden willst, zieh mit einem professionellen Skilehrer für Skitouren los. Er berät dich bei der Zusammenstellung, zeigt dir die richtige Technik für Aufstieg und Abfahrt und bringt dir die Grundlagen der Lawinensicherheit bei – damit du Skitouren in vollen Zügen und sicher genießen kannst. Die Berge laufen nicht weg – wichtig ist, gut ausgerüstet loszuziehen.